Katastrophe von Fukushima: Atomausstieg jetzt
Medienmitteilung vom 13. März 2011
Die Katastrophe von Fukushima zeigt, dass Atomenergie unkontrollierbar ist und eine ständige Bedrohung für die Bevölkerung bedeutet. Was in Fukushima geschieht kann auch in Freiburg geschehen. Die Grünen fordern den Staatsrat auf, seine Haltung zu ändern und sicherzustellen, dass der Kanton Freiburg alle Schritte zum Ausstieg aus der Atomenergie unterstützt und gleichzeitig eine Energiepolitik einleitet, die zuallererst auf Energieeffizienz setzt.
Die Katastrophe, die Japan getroffen hat, kann uns nicht unberührt lassen. Wir hoffen, dass die Schweiz jede mögliche Hilfe anbietet.
Der Atomunfall, der zu Erdbeben und Tsunami hinzukommt, gibt uns besonders zu denken. Eines der drei ältesten AKW der Schweiz, noch veralteter als die Unfallreaktoren von Fukushima, steht weniger als 20 km von der Stadt Freiburg entfernt und unmittelbar an der nördlichen Kantonsgrenze. Die japanischen AKW, die als sicherste der Welt galten, haben eine Katastrophe ausgelöst deren unmittelbare Schäden und deren Langzeitfolgen heute noch nicht abgeschätzt werden können *.
Der Atomreaktor von Mühleberg würde weder einen Flugzeugabsturz und schon gar nicht einem Erdebeben standhalten, auch einem viel schwächeren als in Japan. Der Reaktor von Mühleberg ist baugleich mit jenem von Fukushima 1, doch in der Schweiz wurde der Kernmantel nie ausgetauscht. Die enstandenen Risse im Kernmantel wurden provisorisch mit Zugankern geflickt. Es ist heute bekannt, dass diese Reparatur selbst im Normalbetrieb keine genügende Sicherheit bietet.
Es ist völlig verantwortungslos, diese Gefahr noch verlängern zu wollen.
Der Freiburger Staatsrat hat soeben erklärt, er befürworte den Bau eines neuen Schweizer Atomkraftwerks als « Übergangslösung ». Dabei ist es klar, dass Atomkraft in jedem Punkt einfach zu gefährlich ist : Der Uraniumabbau vergiftet die damit beschäftigten Arbeiter, der Betrieb der Atommeiler birgt ständige Gefahren, Bau und Rückbau sind pannenanfällig, lang und überaus kostspielig, und das Problem des radioaktiven Abfalls ist und bleibt ungelöst.
Sogar die deutsche Kanzlerin Angela Merkel sagt heute, der Atomunfall in Japan « bedeutet einen Einschnitt für die Welt ».
Wir fordern den Staatsrat auf
- Seine Haltung zur Atomkraft zu überdenken und sich jedem Neubau eines AKW zu widersetzen
- Sich der Opposition gegen eine Verlängerung der Betriebsbewilligung für Mühleberg anzuschliessen und diese aktiv zu unterstützen.
- Sofort ein umfassendes Energieeffizienz-Programm zu lancieren, um das mögliche Sparpotenzial eines Drittels des Stromverbrauchs mit heutiger Technik auszuschöpfen.
- Die Produktion der verschiedenen erneubaren Energien dort zu unterstützen, wo sie ohne Umweltschäden möglich ist, und insbesondere die Solarenergie zu fördern.
Laut der am Sonntagmittag vorliegenden Informationen hat das Erdbeben in Nordost-Japan einen Stromunterbruch verursacht, der in der Folge sämtliche Sicherheitskreisläufe ausfallen liess. In zwei Reaktoren des Standorts 1 von Fukushima gab es laut der japanischen Regierung « höchstwahrscheinlich » eine teilweise Kernschmelze; die Reaktoren sind weiterhin nicht unter Kontrolle.
Rund 200’000 Personen wurden in einem Umkreis von 20 km rund um die zwei AKW-Standorte von Fukushima evakuiert, 14 Arbeiter wurden verletzt oder verstrahlt, ein Arbeiter kam ums Leben. Dies sind die offiziell bestätigten Fälle. Andere Quellen melden 160 verstrahlte Menschen. In einer Distanz von 150 km wurden am Sonntagmorgen bereits 400fach erhöhte Radioaktivitätswerte gemessen. Schon diese ersten Zahlen bedeuten, dass die Bevölkerung während Jahrzehnten die Folgen dieses Unglücks zu tragen haben wird.
Infos : Christa Mutter, Grossrätin
Rainer Weibel, Fraktionspräsident Grüne Generalrat Freiburg
